Was ist Broschieren?
Das Broschieren ist eine Technik, bei der das Muster mit einem zusätzlichen Schussfaden – dem sogenannten Broschierfaden – entsteht. An den Stellen, an denen später das Muster erscheinen soll, wird dieser über die Kettfäden geführt.
Viele historische Borten besitzen deshalb zwei Musterebenen: das brettchengewebte Grundgewebe und die darüberliegende Broschierung. Im Folgenden beschäftigen wir uns ausschließlich mit der Broschierung.
Die Kette der folgenden Borte war auch beim historischen Vorbild einfarbig.
Schärung und Material
Die Schärung erfolgt bei dieser Borte abwechselnd mit sechs S- und sechs Z-geschärten Brettchen. Diese Aufteilung kann selbstverständlich variiert werden.
Finger weg von einer einseitigen Schärung! Werden alle Brettchen nur in S- oder nur in Z-Richtung geschärt, verdreht sich die Borte nach dem Abnehmen vom Webstuhl.
Die Brettchen werden jeweils so lange in eine Richtung gedreht, bis sich die Kettfäden ausreichend verdrillt haben und ein Richtungswechsel notwendig wird. Auch dieser Wechsel kann individuell gestaltet werden.
Für die Kette kann grundsätzlich jedes Material verwendet werden. Für den Broschierfaden empfehle ich Anfängern jedoch ein weiches Material wie Seide oder Wolle in einer deutlichen Kontrastfarbe zum Grundgewebe – Gelb auf Weiß fällt beispielsweise kaum auf.
Ich persönlich arbeite ungern mit Baumwolle oder Leinen als Broschierfaden, da beide Materialien wenig anschmiegsam sind. Gold- oder Silberlahn verhält sich ähnlich, allerdings gleicht der metallische Glanz diesen Nachteil weitgehend aus. Sobald du etwas Erfahrung gesammelt hast, lohnt es sich, auch diese Materialien auszuprobieren.
Der Broschierfaden sollte außerdem etwas dicker sein als das Garn des Grundgewebes. Werden beispielsweise Kette und Broschierung aus Wolle gearbeitet, verwende ich den Broschierfaden doppelt.
Die richtige Fadenspannung
Beim Weben sollte die Kette nicht zu straff gespannt sein. Außerdem muss jede Reihe kräftig angeschlagen werden. Ist die Spannung zu hoch oder wird zu locker angeschlagen, liegen die Broschierfäden später zu weit auseinander.
Der eigentliche Broschiervorgang
Im Laufe der Zeit habe ich mir einige feste Arbeitsabläufe angewöhnt (ich nenne sie Rituale). Sie helfen mir, Fehler zu vermeiden.
Ich arbeite grundsätzlich nach einer Anleitung. Mit einem Magnetstreifen auf einem Blech decke ich die bereits gewebten Reihen ab, sodass ich nicht versehentlich in die falsche Zeile rutsche.
Mein Ablauf ist immer derselbe: Zuerst lege ich den Schussfaden in das Webfach. Anschließend schiebe ich den Magnetstreifen eine Zeile weiter.
Für einen sauberen Rand wird das erste Brettchen nicht in die Broschierung einbezogen. Der Broschierfaden wird von unten hinter dem ersten Brettchen in das Webfach gelegt.

Nun wird nach der Anleitung gearbeitet. Dort, wo der Broschierfaden sichtbar sein soll, wird er über die Kettfäden der entsprechenden Brettchen geführt. An allen anderen Stellen verläuft er zusammen mit dem Schussfaden im Webfach. Sollte man sich einmal verzählen, kann das Broschierschiffchen einfach wieder zurückgezogen und der Schritt wiederholt werden.
Vor dem letzten Brettchen muss der Broschierfaden wieder nach unten geführt werden. Nur so entstehen auf beiden Seiten gleichmäßige Ränder.

Danach werden alle Brettchen in eine Richtung gedreht.

Anschließend werden Schuss- und Broschierfaden gleichmäßig angezogen. Sie dürfen weder Schlaufen bilden noch zu fest angezogen werden, da das Muster sonst in die Länge gezogen wird.

Danach wird die Reihe angeschlagen.
Video
Wenn dir die Bilder nicht ausreichen, kannst du dir auch das kurze Video ansehen, das ich zu dieser Technik aufgenommen habe. .
Eigene Muster entwerfen
Da es nur wenige Anleitungen zum Broschieren gibt, lassen sich eigene Muster leicht selbst erstellen. Dafür genügt Karopapier, auf dem die broschierten Stellen farbig markiert werden. Ich persönlich arbeite lieber mit Excel, da sich Änderungen dort wesentlich einfacher vornehmen lassen.
Dabei gilt eine einfache Faustregel: Werden nur ein oder zwei Brettchen broschiert, wirkt das Muster eher dezent. Bei drei bis fünf Brettchen entsteht ein gleichmäßiges Muster. Ab sechs bis acht Brettchen wird es zunehmend schwieriger, den Broschierfaden sauber parallel auszurichten.
Und so sieht die fertige Borte aus: Seidengürtel Philips von Schwaben Eine Anleitung dazu gibt es in meinem Etsy-Shop